Ein Infoprojekt von Greenpeace und Ö3 für die Initiative "Mutter Erde"

(DI Buo-Shien TSCHEN / RWO-SHR NEWS Nr.75; Juli 2014)


"Plastik ist sehr langlebig. Über Hunderte von Jahren sammelt es sich in der Umwelt an. Nicht nur die Donau oder der Gardasee in Italien, auch weit abgelegene Meeresgebiete wie die Arktis sind mittlerweile plastikverseucht – der bekannteste „schwimmende Müllteppich“ im Nordpazifik ist in etwa so groß wie Zentraleuropa.

Die Oberfläche der Plastikteile zieht wie ein Magnet zahlreiche schwer abbaubare Umweltgifte in hoher SchadstoffKonzentration an. Tiere verwechseln das Plastik mit Nahrung und fressen es. So gelangt es in die Nahrungskette. Mikroplastik wurde in Muscheln und Fischen, ebenso wie in Milch und Honig nachgewiesen." (Greenpeace)


Die Thematik "Mikro-Plastik" in den Alltagsprodukten wurde neulich in die Medien diskutiert. Radiosender Ö3, der sich im Rahmen der ORF-Schwerpunktwoche „Mutter Erde braucht dich“ des Themas annimmt, ruft gemeinsam mit Greenpeace die KonsumentInnen auf, Produkte genau unter die Lupe zu nehmen und Kosmetika mit Mikroplastik zu meiden.


Mikroplastik in Kosmetikprodukten

Kunststoff wird in Kosmetika (z.B. Peeling, Zahncreme, Duschgel) in Form von z.B. Mikroplastik (Plastikteilchen kleiner als fünf Millimeter) als Schleifmittel oder Füllstoff eingesetzt, kann aber auch in flüssiger Form, z.B. als Bindemittel vorliegen. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist es schwierig bis nahezu unmöglich, herauszufinden, in welcher Form der Kunststoff in dem Produkt vorliegt, da es leider keinerlei Transparenz durch Kennzeichnungen gibt.

Aufgrund seiner geringen Größe können die Mikroplastik - egal im welcher Form - ungehindert die Kläranlagen überwinden. Sie gelangen über die Haushaltsabwässer in die Umwelt und binden zusätzlich Schwermetalle und schwer abbaubare Schadstoffe an sich. Die Schadstoffe können zur Störung des Hormonsystems führen und sind teilweise als krebserregend bekannt. Die Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit sind noch unzureichend erforscht.


Weitere unsichtbaren Gefahren

Durch Sauberkeit und Hygiene haben sich die Lebensqualität und die Lebenserwartung der Menschen entscheidend verbessert. Mittlerweile können wir zwischen Zigtausenden von Wasch- und Reinigungsmitteln wählen. All diese Produkte bestehen aus Chemikalien, die zum großen Teil ins Abwasser gelangen. Da Wasch- und Reinigungsmittel allgegenwärtig sind, werden die eingesetzte Menge sowie die möglichen Gefährdungen für Gesundheit und Umwelt oft unterschätzt. Etwa 1.300.000 Tonnen davon werden jährlich in Deutschland an private Haushalte verkauft. Die gelangen ins Abwasser und letztlich in die Umwelt. Dabei ist der Reinigungsmittelverbrauch von Industrie und Gewerbe noch gar nicht berücksichtigt.


"Vollständig" abbaubar??

In neuen Regeln der Europäische Union für Wasch- und Reinigungsmittel einschließ-lich Weichspüler und Waschhilfsmittel "EG-Detergenzienverordnung Nr. 648/2004" wurden z.B. Mindestanforderungen an die biologische Abbaubarkeit von Tensiden (waschaktive Substanz) in Waschmitteln festgelegt. Tenside, die in Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzt werden, müssen heute vollständig biologisch abbaubar* sein. Nur für Tenside, die ausschließlich in Produkten für Gewerbe, Industrie und Institutionen Verwendung finden, können unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen beantragt werden.

Was bedeutet aber nun "vollständig biologisch abbaubar"? "Vollständig" bedeutet in diesem Zusammenhang nicht unbedingt „hundertprozentig“. Laut Vorschrift müssen innerhalb von 28 Tagen die im Putzmittel enthaltenen Tenside nur zu mindestens 60% abgebaut(mineralisiert) sein. Die offizielle Formulierung "biologisch abbaubar", welche Waschmittel-Hersteller auf ihr Produkt oft schreiben, bedeutet nämlich lediglich die ersten Abbauschritte (Primärabbau) und haben nichts mit einem Endabbau zu tun. Damit verlieren sie lediglich ihre oberflächenaktiven Eigenschaften, d. h. setzen die Oberflächenspannung des Wassers nicht mehr herab. Die dabei entstehenden Zwischenprodukte können trotzdem problematisch sein. Für alle anderen Inhaltsstoffe der Wasch- und Reinigungsmittel ist die biologische Abbaubarkeit nicht gesetzlich geregelt.

*In den Kläranlagen von Mikroorganismen zu Kohlendioxid, Wasser und Mineralsalzen zerlegt werden.


Schlimme Folgen

Wasch- und Putzmittel enthalten nicht nur Tenside, sondern eine ganze Reihe weiterer bedenklicher Chemikalien, welche nach wie vor schwer bzw. nur unvollständig abbaubar sind (z. B. Phthalate, Phosphonate, Polycarboxylate, EDTA, optische Aufheller, Bleichmittel, Silicone und Paraffine, verschiedene Duftstoffe und Enzyme, einige Konservierungsstoffe). Werden diese Stoffe oder deren Abbauprodukte nicht vollständig in der Kläranlage zurückgehalten oder abgebaut, gelangen sie in die Gewässer bzw. Wasserorganismen, wo sie sich anreichern können.

Auch im Klärschlamm konzentrieren sich Bestandteile von Wasch- und Reinigungsmitteln oder deren Abbauprodukte an. Wird dieser auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht, belastet dies unter Umständen Boden und Grundwasser. Verschiedene Stoffe in Wasch- und Reinigungsmitteln können auch direkt die Gesundheit der Anwender beeinträchtigen, beispielsweise reagieren Allergiker auf manche Duft- und Konservierungsstoffe mit Symptomen.






Quellen:
• UmweltWissen - Praxis: Wasch- und Reinigungsmittel: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU); Neufas-sung: Oktober 2004, Überarbeitung: Februar 2005/ Mai 2010; Link: http://www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_76_wasch_und_reinigungsmittel.pdf
• Stoppt Mikroplastik in Alltagsprodukten - umweltbewusster einkaufen: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) - Nadja Ziebarth; Stand: 27. Mai 2014; Link: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/meere/131119_bund_meeresschutz_mikroplastik_produktliste.pdf
• Mikroplastik - Ratgeber & Produktliste: Greenpeace in Zentral- und Osteuropa; Stand: Mai, 2014; Link: http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/ratgeber/Konsum_Mikroplastik_Ratgeber_201406.pdf
• Mikroplastik in Kosmetik-Produkten: Greenpeace; Aufrufen 24. 06. 2014; Link: https://secured.greenpeace.org/austria/de/aktivwerden/proteste/konsum/mikroplastik/







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