Filmabend & Infoveranstaltung (update)

>> Idee & Hintergrund


Am 15. 2. 2017 fand unser Filmabend zum Thema "Chemie im Wasser - Die unsichtbare Bedrohung" von ZDF (in Zusammenarbeit mit ARTE; 2012/2013) in unserem Zentrum statt. Wir konnten zahlreiche RWO-SHR Freunde und Interessierte begrüßen. Leider ist dieses Thema aktueller denn je und wir werden uns immer mehr mit den Auswirkungen der Umweltverschmutzung auseinandersetzen müssen. Aus gesundheitlichen Aspekten versuchen wir für dieses Thema zu sensibilisieren. Hier eine kurze Zusammenfassung des Films:


Zusammenfassung_

Chemikalien-Cocktail // Medikamente und Chemikalien (z.B. Kosmetika, Reinigungsmittel, Pestizide uvm.) gelangen in stetig wachsenden Mengen in den Wasser-Kreislauf - daher auch in unser Grundwasser und Trinkwasser. Dafür verantwortlich sind nicht nur die Landwirtschaft oder die Industrie, sondern auch die Haushalte.

Viele Jahre beschwichtigten Behörden und Wissenschaftler, die gemessenen Konzentrationen seien weit unterhalb der Wirkschwelle, Gefahren deshalb ausgeschlossen. Bei der Zulassung verschiedener Medikamente und Chemikalien werden die Auswirkungen der jeweiligen Stoffe einzeln im Labor untersucht. Die Kombination verschiedener Stoffe, die in der Praxis natürlich vorkommt, wird im Labor nicht berücksichtigt. Aber als Chemikalien-Cocktail schädigen sie bereits in geringer Konzentration die Umwelt (Beispiel im Film Forschungsgebiet Bodensee/Deutschland; Projektleiter: Prof. Dr. Rita Triebskorn/Universität Tübingen). Forscher entdecken immer häufiger negative Auswirkungen dieses chemischen Cocktails.

Ökotoxikologe Peter von der Ohe vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig ist der Meinung, dass die europäischen Gewässer auf viel zu wenige Stoffe untersucht wurden und die festlegten Grenzwerte der verschiedenen Stoffe zu hoch sind. Aufgrund der vorhandenen Daten können laut Ohe nur 15 Prozent der Gewässer als wirklich sauber eingestuft werden. Rund die Hälfte ist dagegen deutlich beeinträchtigt.

Hormonell wirksame Substanzen // Die sogenannten hormonell wirksamen Substanzen führen dazu, dass in den letzten Jahren Krankheiten aufgrund von hormonellen Störungen bei Mensch und Tier stark zugenommen haben. Wassertiere nehmen die biologisch hochaktiven Substanzen gezwungenermaßen auf. Viele Fische sind als Folge der Belastung in ihrer Fortpflanzung bedroht. Über die Schädigung der Spermien hinaus ändern einige Fische auch ihr Geschlecht. Andere Wasserlebewesen leiden unter Organversagen und entwickeln Wachstums- und Verhaltensstörungen. Diese Veränderungen zeigen sich auch schon bei geringen Konzentrationen.

Hormonell wirksame Chemikalien werden auch mit gesundheitlichen Problemen beim Menschen in Verbindung gebracht, die in den letzten Jahrzehnten weltweit immer häufiger auftreten. Beispiele sind der Anstieg an Fruchtbarkeitstörungen (Abnahme der Spermienaktivität bei Männern), Brust- und Hodenkrebs, abnorme Genitalentwicklungen. Die steigende Rate von Fettleibigkeit und das häufige Auftreten der Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitätsstörung (ADHS) könnte laut Toxikologen ebenfalls mit dem Einfluss von hormonaktiven Stoffen zu tun haben.

Zwei Forschungsergebnisse werden dazu im Film beispielhaft gezeigt. Die Pariser Biologin Barbara Demeneix hat in Forschungsstudien nachweisen können, wie die Schadstoffe im Wasser die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Ihr britischer Kollege Charles Taylor zeigt auf, dass die kontaminierte Flüssigkeit dazu führt, dass Fischmännchen Eier produzieren statt Spermien.

Antibiotika // Eine weitere Gefahr stellen die Antibiotika-Rückstände in unseren Gewässern dar, denn diese können zu vermehrten Resistenzen bei Bakterien führen. Die meist harmlosen Bakterien im Wasser oder im Boden können ihre Resistenzen auch auf Krankheitserreger übertragen. Die Erreger sind dann gegen Antibiotika immun. Das bedeutet selbst eine kleine Infektion kann dann zur großen Gefahr werden.

Die Pharmaindustrie verlagert einen Teil ihrer Produktion in Schwellenländer wie Indien (Beispiel im Film Hyderabad/Indien). Dort gelangen Abwässer teilweise ungeklärt in die Kanalisation. Joakim Larsson von der Universität Göteborg hat Wasserproben aus dem indischen Hyderabad untersucht. Der Befund: "Antibiotika-Konzentrationen, die bis zu einer Million mal höher sind, als sie normalerweise in geklärtem Wasser gefunden werden. Die Konzentration war teilweise höher als im Blut von Patienten, die mit dem entsprechenden Antibiotikum behandelt werden."

Kläranlage // Mit dem Abwasser gelangen die bedenklichen Substanzen der Arzneien dann in unsere Kläranlagen. Auch in Kläranlagen mit modernster Technik (z.B. Ozonbehandlung und Aktivkohlefilterung) ist eine vollständige Beseitigung von Medikamenten-Rückständen aus dem Wasserkreislauf nicht möglich (Beispiel im Film Kläranlage des Marienhospitals/Gelsenkirchen, Deutschland; Projektleiter: Dr. -Ing. Issa Nafo). Die kritischen Stoffe würden dank der Behandlung mit Ozon zwar oberflächlich verschwinden, aber es ist unklar, ob durch diesen Prozess vielleicht nicht noch schlimmere Stoffe entstehen können. Trotz modernster Technik sind die bedenklichen Substanzen nicht wieder aus dem Wasser zu beseitigen.

Umweltchemie // Dank der Forschung erscheint es möglich andere Substanzen zu entwickeln, indem die Struktur des chemischen Stoffes geändert wird und eine schnellere Abbaubarkeit erreicht werden kann. Die Funktionalität des Stoffes soll dadurch nicht beeinträchtigt werden (Beispiel im Film Prof. Dr. Klaus Kümmerer/Leuphana Universität Lüneburg). Diese Forschungsarbeit steht zwar noch ganz am Anfang, aber die positiven Effekte sollen das Interesse im Industriesektor wecken.

Link // Chemie im Wasser - Die unsichtbare Gefahr - Arte Doku HD: www.youtube.com/watch?v=bTCc_ra-Cqs


Präsentation_

Anschließend werden die Filminhalte mit Hilfe von ein paar Präsentationsfolien nochmal kurz zusammengefasst bzw. ergänzt.




(ausgewählte Präsentationsfolien // Bild: eigene Darstellung; SEA ENERGE Environmental Ind., DI P. Chen)



Gruppendiskussion_

Bei der Abschlussdiskussion wurden die TeilnehmerInnen in 3 Kleingruppen aufgeteilt. Wir haben in den Kleingruppen mögliche Handlungsfelder und Aufgaben der verschiedenen Akteuren (Politik/Gesetzgeber, Produzent/Angebot, Konsument/Nachfrage) und deren Wechselbeziehungen diskutiert. Nochmals vielen Dank für eure Teilnahme, euer Interesse und Mitwirkung.

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Auf diesem Wege möchten wir uns nochmals ganz herzlichst für Eure Teilnahme und für die anschließend, sehr spannende und informative Diskussion bedanken, sowie für die Unterstützung für das Projekt: www.ibelieveinyou.at // Suchwort: „paraclimbing-team will hoch hinaus“. Vielen Dank für die Unterstützung der Produktionsfirma und für die Erlaubnis, dass wir diesen Film öffentlich zeigen dürfen.





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